"Es muss feste Bräuche geben"
Das gilt auch für die Gemeinschaft der Kirche. Christliche Bräuche sind gelebter Glaube, der sich in wiederholbaren Formen und Handlungen ausdrückt. Gottes Wirken und die Antwort der Menschen gehen in ihnen eine sinnenhaft erfahrbare Einheit ein.


Advent

Die Nächte werden länger, die Dunkelheit nimmt zu. Die Menschen sehnen sich in dieser Zeit besonders nach Licht und Wärme, nach Orientierung und Wegweisung. Die vielen erleuchteten Fenster, Baikone und Häuser lassen das erahnen. Das adventliche Brauchtum nimmt diese Sehnsucht der Menschen auf. Im Gegensatz zu einer überbordenden Lichtsymbolik betont es aber stärker das Warten, den Wegcharakter, also das Gehen Schritt für Schritt, das Anwachsen des Lichtes und der Helle.

Adventskranz

Der Adventskranz, ein Brauch aus dem 19. Jahrhundert, hat rasch eine große Verbreitung gefunden. Inhalt und Form, Glaube und dessen Symbolisierung sind in ihm eine aussagekräftige Verbindung eingegangen.

Der Kranz ist Zeichen für Gott, ohne Anfang und Ende. Der Kranz ist Zeichen für Gottes Liebe und Bund mit den Menschen, treu und nie endend. Der Kranz ist mit seinen immergrünen Zweigen Symbol der Hoffnung und der Zuversicht. Die vier Kerzen - nacheinander an den vier Adventssonntagen entzündet - verweisen auf Jesus Christus, der von sich bezeugt hat: „Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8.12). Die violetten Bänder erinnern an Schuld und Versagen im Bundesverhalten mit Gott, mit Jesus Christus und mit den Menschen und rufen zur Umkehr. Am Samstag vor dem 1. Adventssonntag werden die Adventskränze in der Kirche gesegnet.

Der Adventskalender

Auf dem ersten Adventskranz aus Holz von Johann Heinrich Wichern waren 24 Kerzen angebracht. Mit ihnen half er seinen Waisenkindern auf das Weihnachtsfest zu warten. Gewachsen ist daraus der schöne Brauch, sich Tag für Tag auf den Weg zu machen, um Jesus Christus und dem Weihnachtsfest entgegen zu gehen. Unterschiedlich sind dabei die Vorschläge, die in den einzelnen Adventskalendern gemacht werden. Sie reichen von der Erschließung biblischer Stellen über Anregungen zur täglichen Besinnung bis hin zu kleinen Überraschungen. Kindern wird der Weg und das Warten auch manchmal „versüßt". Entscheidend ist, das Ziel des Wartens nicht aus den Augen zu verlieren. In vielen Pfarreien wird der Adventskalender von „Adveniat" angeboten. In Texten, Geschichten und Bildern erinnert er an die Menschen in Lateinamerika. In der Adventszeit soll in besonderer Weise die Verbundenheit mit ihnen sichtbar werden. Ein Zeichen hierfür ist das Adveniatopfer, das an Weihnachten beim Gottesdienst abgegeben wird.

Die Krippe

Der biblische Bericht von der Geburt Jesu spricht von einer Krippe, von einem Futtertrog, in den das neugeborene Kind - in Windeln gewickelt - gelegt wurde (vgl. Lk 2,7). Der Glaube und die Frömmigkeit nahmen dieses biblische Bild auf und begannen das Geschehen der Geburt Jesu sinnenhaft darzustellen. Nach der Tradition war es vor allem der Hl. Franziskus, der die Bedeutung der Krippe erkannte und herausstellte. Die Verehrung des Jesuskindes in der Krippe und die Verehrung der Heiligen Familie bekamen dadurch neue Impulse. Krippen sind oft durch Generationen weitergegebene Erbstücke. In manchen Familien werden sie selbst gebastelt und jedes Jahr ergänzt und verändert. Inzwischen ist hier und dort der Brauch von „lebendigen Krippen" entstanden, also die Darstellung der Szene von Betlehem mit Menschen und Tieren. Die Formen sind vielfältig, alle aber haben das eine Ziel, das Kind in der Krippe zu ehren.

Rorate

Im Advent als Zeit des Wartens blickt die Gemeinschaft der Kirche auf die Erwartung des Volkes Israel. In ihm ist die Hoffnung und die Erwartung immer gegenwärtig gewesen: Woher kommt uns Hilfe? Woher die Rettung? Die Antwort aus dem Glauben heißt: Von oben, aus dem Himmel. „Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!" (Jes 45.8). Eine Frau ist in besonderer Weise von dieser Sehnsucht und von diesem Glauben erfüllt, Maria aus Nazareth. In ihr nimmt die Hoffnung und Erwartung ihres Volkes Gestalt an. Auf vielfältige Weise wird uns im Advent deshalb Maria vor Augen gestellt. Am 8. Dezember wird das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert. Ein fester Bestandteil adventlicher Marienverehrung sind die morgendlichen Rorate-Ämter. Den Namen haben sie von den lateinischen Anfangsworten des Eröffnungsverses der Heiligen Messe „Rorate coeli", das heißt „Tauet ihr Himmel von oben". Wegen des Evangeliums von der Verkündigung des Herrn durch den Engel Gabriel wird dieser Gottesdienst auch Engelamt genannt. Viele Pfarrgemeinden haben diesen Brauch wieder aufgenommen. Das Evangelium des Engelamtes klingt fort im Gebet „Der Engel des Herrn":

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist. Gegrüßet seist du. Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. Gegrüßet seist du. Maria... Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du, Maria... V: Bitte für uns, heilige Gottesmutter, A: dass wir würdig werden der Verheißung Christi. V: Lasset uns beten. A/Ii 11 fi / itiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engeis haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. A: Amen.

Frühschicht

Beten als „Atem unserer Seele" hilft in die Grundhaltungen des Advents, in das Warten und in die weihnachtliche Vorfreude einzutauchen. Einzelne Pfarrgemeinden und Gruppen, vor allem junge Menschen, haben begonnen, den Morgen der Adventstage als Ort des Aufbruchs oder den Abend als Ort des Friedens und der Versöhnung betend und singend zu gestalten. So ist der Brauch der „Frühschicht" bzw. der „Spätschicht" gewachsen, eine Zeit des Gebetes und der gemeinsamen Besinnung. Als geistige Vorbereitung auf das Weihnachtsfest werden die Familien eingeladen, am Montag nach dem ersten Adventssonntag einen Hausgottesdienst zu feiern. Die Texte werden über die Pfarreien verteilt.

Hl. Barbara (4. Dezember)

Der Überlieferung nach ließ sich die Hl. Barbara während einer Christenverfolgung taufen und wurde Christin. Weil sie den Wunsch ihres Vaters den Glauben zu verleugnen nicht erfüllte, wurde sie in einen Türm eingesperrt und schließlich hingerichtet. Die Legende erzählt: Auf dem Weg zum Gefängnis verfing sich ein Kirschzweig in Barbaras Kleid. Sie stellte ihn in einen Krug mit Wasser. An dem Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde, blühte der Zweig auf. In dieser Legende gründet der Brauch der Barbarazweige. Am Barbaratag werden Zweige von Obstoder Kastanienbäumen - auch Forsythien und Ginster eignen sich dazu - abgeschnitten, über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann in einen Krug mit Wasser gestellt. In der Wärme des Hauses treiben die Knospen und erblühen die Zweige zur Weihnachtszeit. Auch aus scheinbar Erstarrtem, Abgestorbenem und Kaltem kann neues Leben erwachsen.

Hl. Nikolaus (6. Dezember)

Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert in Kleinasien. Über sein Leben gibt es viele Legenden, die ihn als einen gütigen und für alle Menschen sorgenden Bischof ausweisen. Diesen gütigen, menschenfreundlichen und die Not sehenden Bischof feiert die Gemeinschaft der Kirche am Nikolaustag. In manchen Familien, Kindergärten und Schulen kommt der Nikolaus zu Besuch und bringt den Kindern Geschenke. Er ist kein Kinderschreck und auch kein Weihnachtsmann. Der Hl. Nikolaus ist ein Vorbild, das im Advent einlädt, die Barmherzigkeit und die gute Tat ohne große Worte in die Mitte zu stellen. Viele Hilfsprojekte und Aktionen bringen im Advent „Licht ins Dunkel" und helfen Menschen in Not. Alle sind eingeladen dem Beispiel des Hl. Nikolaus zu folgen und im persönlichen Lebensbereich wie auch im Blick auf die Welt Not zu sehen und zu lindern.

Hl. Lucia (13. Dezember)

Lucia leitet sich ab vom lateinischen Wort „lux". Sie heißt also die Leuchtende, eine „Lichtgestalt". Nach der Tradition ist sie wie die Hl. Barbara eine Heilige, die aus ihrem Glauben heraus an das Licht, das ihr in Jesus Christus geschenkt wurde, auch in Zeiten der Verfolgung festgehalten hat. Zugleich hatte sie den Ruf die Armen und die Kranken besonders zu lieben.

Aus Skandinavien ist der Brauch bekannt an diesem Tag eine „Lichtmaid" zu küren.

DAS WEIHNACHTSFEST

Das Weihnachtsfest ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Die Weihnachtsliturgie vergegenwärtigt feiernd dieses schönste Geschenk Gottes an die Menschen. Von den umgebenden Kulturen abweichend betont die Heilige Schrift von Anfang an den Wert und die Würde des Kindes. In den Kindern fließen Glaube. Hoffnung und Liebe einer Gemeinschaft von einer Generation zur nächsten. Das Brauchtum um das Weihnachtsfest stellt deswegen das Jesuskind in die Mitte und erfüllt zugleici die Bitte des erwachsenen Jesus Christus: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Hu melreich. "(Mt 19,14).

Heiliger Abend

Für viele beginnt der Heilige Abend mit einem Gottesdienst am späten Nachmittag in der Kirche. In ihm wird Kindern und deren Angehörigen das Geheimnis der Geburt Jesu spielerisch vergegenwärtigt. Die Formen sind vielfältig. Sie reichen von Krippenspielen über die Feier der Krippenlegung bis zu den sogenannten Kindermetten. Die Gestaltung des Heiligen Abends ist meist von Eigentraditionen der Familien bestimmt. Nach Möglichkeit sollte die Verkündigung des Weihnachtsevangeliums nicht fehlen. Wenn es von der Situation her möglich ist, geben gemeinsames Singen, Musizieren und Erzählen diesem Abend seinen besonderen Charakter. Das Weihnachtsfest erinnert an das schönste Geschenk Gottes an die Menschen, an Jesus Christus. Das ist der tiefere Grund, warum sich zu Weihnachten auch die Menschen gegenseitig beschenken. Geschenke sind Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit. Es kommt dabei nicht in erster Linie auf den finanziellen Wert des Geschenkes an, sondern es geht um das Nachdenken über die Beziehungen und deren Gestaltung. Selbstgemachte oder mit Phantasie ausgewählte Geschenke machen den Beschenkten meist eine besondere Freude.

Neben der Krippe gehört der Christbaum zum

Weihnachtsfest. Der Baum erinnert an den Baum des Lebens inmitten des Paradieses, zu dem Christus in seiner Menschwerdung den Menschen einen neuen Zugang eröffnet hat. Der hell erstrahlende Christbaum lässt jenes Licht aufscheinen, auf das die vier Kerzen auf dem Adventskranz hingewiesen haben.

Christmette

Der am tiefsten die Herzen der Menschen berührende Gottesdienst im Kirchenjahr ist die Christmette. Mitten in der Nacht wird liturgisch jenes Geheimnis feiernd gegenwärtig, das sich in Betlehem ereignet hat. Viele Menschen besuchen in dieser Nacht die Christmette und lassen sich von jener Freude anstecken, die mit der Geburt Jesu in die Welt gekommen ist.

Heilige Stephanus (26. Dezember)

Das Gedächtnis des Hl. Stephanus wird schon sehr früh in der römischen Liturgie am zweiten Weihnachtstag gefeiert. Ein Grund ist sicher, dass im Zusammenhang mit der Feier der Geburt Jesu Christi auch das Schicksal dieses Kindes und damit das Schicksal der von ihm gegründeten Gemeinschaft in den Blick kommen. Wie die Geburt Jesu Christi nicht ohne Wehen geschah, so war auch die Geburt der Gemeinschaft der Kirche mit Wehen verbunden. Der Hl. Stephanus gibt als erster Märtyrer davon Zeugnis.

Hl. Johannes Evangelist (27. Dezember)

Die Legende sagt, man habe dem Apostel vergifteten Wein gereicht. Als er ihn segnete, kam das Gift als Schlange hervor. In Erinnerung daran lässt man an diesem Tag in der Kirche Wein segnen:

V: Preiset den Herrn, denn er ist gut A: Danket dem Herrn, denn er ist gut. V: Der Wein erfreut des Menschen Herz. A: Danket dem Herrn, denn er ist gut. V: Lasset uns beten.

Herr, unser Gott, du schenkst uns den Wein als Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Dein Sohn Jesus Christus hat den Wein erwählt als Zeichen des Neuen Bundes in seinem Blute. Segne + diesen Wein, den wir zu Ehren des heiligen Apostels Johannes trinken. Lass uns erfahren.dass du der Gott bist, der die Herzen der Menschen froh macht und Gemeinschaft stiftet. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

Der gesegnete Johanneswein wird mit den Worten gereicht:

"Trinke die Liebe des Heiligen Johannes."

Fest der Heiligen Familie (28. Dezember)

In manchen Pfarrgemeinden werden am Sonntag nach Weihnachten - oder am 28. Dezember, dem Fest der unschuldigen Kinder - in der Kirche die Kinder gesegnet. So wird die Praxis Jesu aufgenommen, der Kinder in seine Arme nimmt, ihnen die Hände auflegt und sie segnet (vgl. Mk 10.16). Der Segen des Kindes von der Krippe reicht hinein in die Familien und in deren Lebensräume heute.

Hl. Silvester (31. Dezember)

Der Hl. Silvester ist einer der ersten Heiligen der Gemeinschaft der Kirche, der nicht Märtyrer ist. Er lebte zur Zeit des Kaisers Konstantin. Er durfte als erster Papst in Freiheit und Frieden wirken. Damit vergegenwärtigt er jene Werte, die sich die Menschen für das neue Jahr wünschen. Mit den eigentlichen Silvesterbräuchen und dem Übergang zum neuen Jahr hat der Heilige nicht direkt zu tun. Doch seine Person und sein Schicksal machen ihn zum „richtigen" Heiligen für den Jahreswechsel. Der Silvestertag ist ein Tag des Übergangs. Das alte Jahr wird verabschiedet. Der Blick geht zurück auf Schönes und Schweres. Meist geschieht das im Kreis der Familie, zusammen mit Freunden und Bekannten. Danken und Bedenken fließen ineinander, verbunden meist mit einem schönen und reichlichen Mahl. Dann wird das neue Jahr begrüßt. Der Blick geht in die Zukunft auf Erhofftes und Überraschendes. Segenswünsche und gute Vorsätze begleiten diesen Blick. Abschied und Neubeginn - beides geschieht in einer Atmosphäre der Freude, der Fröhlichkeit und des friedlichen Miteinanders. Das Feuerwerk ist äußeres Zeichen dafür. Entstanden wahrscheinlich als Ritus der Abwehr von dunklen Kräften und Dämonen in der dunkelsten Jahreszeit, ist es heute zu einem Ausdruck der Freude und der Begrüßung des neuen Jahres geworden. Die Aktion „Brot statt Böller" ist eine kritische Anfrage an diese Praxis.

Erscheinung des Herrn / Heilig Dreikönig (6. Januar)

Am Vorabend des Festes werden in der Kirche das Dreikönigswasser, der Weihrauch und die Kreide für die Haussegnung geweiht. Der geweihte Weihrauch wird auf glühende Kohle gelegt und durch die Wohnung, das Haus und den Stall getragen. Dazu wird Dreikönigswasser gesprengt. Mit der geweihten Kreide wird an die Tür geschrieben: C + M + B und die Jahreszahl; die Buchstaben sind die Anfangsbuchstaben des lateinischen Segenswortes:

Christus mansionem benedicat -Christus segne dieses Haus. Im Volksmund wird gesagt, diessinddie Anfangsbuchstaben der drei Könige Caspar, Melchior, Balthasar. Zum Beginn Herr Jesus Christus, wir rufen dich an: Komm unserem Tun zu Hilfe, damit es mit dir beginne und durch dich vollendet werde. Amen. Zum Einlegen des Weihrauchs Die Weisen haben dir Gaben gebracht. Nimm auch von uns die Gabe des Weihrauchs an, du aber erfülle unser Haus mit dem Segen deines Wohlgefallens. Amen. Im Wohnzimmer

Durch die Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem es gefallen hat, unter uns zu wohnen als unser Bruder und Freund, sei gesegnet diese Wohnung und alles, was darin ist. Streit und Zwietracht sollen keinen Platz hier haben. Fern bleibe Kummer und Betrübnis. Vielmehr mögen bei uns wohnen: Glaube, Liebe, Hoffnung, Frieden, Eintracht, Ehrfurcht. Geduld, Güte und Fröhlichkeit. Ja, er selber, unser Herr Jesus Christus, sei allezeit unser liebster Gast. Und mit ihm alle unsere Engel und Hei/igen. Amen.

im Namen des + Vaters und des + Sohnes und des + Heiligen Geistes. Amen. Jetzt schreibt der Hausvater den Segenswunsch an die Türe: 20 C + M + B 06 Zum Beginn Herr Jesus Christus, wir rufen dich an: Komm unserem Tun zu Hilfe, damit es mit dir beginne und durch dich vollendet werde. Amen. Zum Einlegen des Weihrauchs Die Weisen haben dir Gaben gebracht. Nimm auch von uns die Gabe des Weihrauchs an, du aber erfülle unser Haus mit dem Segen deines Wohlgefallens. Amen. Im Wohnzimmer

Durch die Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem es gefallen hat, unter uns zu wohnen als unser Bruder und Freund, sei gesegnet diese Wohnung und alles, was darin ist. Streit und Zwietracht sollen keinen Platz hier haben. Fern bleibe Kummer und Betrübnis. Vielmehr mögen bei uns wohnen: Glaube, Liebe, Hoffnung, Frieden, Eintracht, Ehrfurcht. Geduld, Güte und Fröhlichkeit. Ja, er selber, unser Herr Jesus Christus, sei allezeit unser liebster Gast. Und mit ihm alle unsere Engel und Hei/igen. Amen.

im Namen des + Vaters und des + Sohnes und des + Heiligen Geistes. Amen. Jetzt schreibt der Hausvater den Segenswunsch an die Türe: 20 C + M + B 06 Christus segne unsere Wohnung! Amen.

Sternsingen

Im Jahr 1958 wurde dieser Brauch offiziell als „Aktion Dreikönigssingen" in allen Bistümern der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Jugendliche ziehen als „Dreikönige" verkleidet mit einem Stern von Haus zu Haus und bitten um Spenden für die Missionsarbeit der Weltkirche. Sie singen dabei Lieder oder tragen Dreikönigsgedichte vor. In vielen Pfarreien ist es guter Brauch, dass der Pfarrer im Gemeindegottesdienst die ..Sternsinger" aussendet und so auf den Zweck und die Bedeutung der Aktion hinweist.

FASTENZEIT UND OSTERN

Die Natur ruht, manchmal noch zugedeckt von einer Schneedecke. Aber in der Erde regt sich schon neues Leben und bereitet sich zum Aufbruch. Und was sich in der Natur ankündigt will sich auch im Glauben der Menschen ereignen. Sie sehnen sich nach Aufbruch und neuem Leben. Das österliche Brauchtum nimmt diese Situation der Natur und der Menschen auf. In der österlichen Bußzeit bereiten die Menschen in sich den Raum für neue Glaubenserfahrungen: durch körperliche Askese (Fastenbräuche), geistige Einfühlung (Kreuzweg-Meditationen. Frühschicht, Gebetskultur) und durch soziales Engagement (Misereor...). Derart vorbereitet nimmt die Heilige Woche die Menschen hinein in das Schicksal Jesu Christi, in sein Leben, sein Sterben und sein Auferstehen.

Mit dieser Botschaft von Ostern steht und fällt der christliche Glaube, und darum ist der Ostertag für den Christen der wichtigste Tag des Jahres, so wichtig, dass auch das Jahr über Sonntag für Sonntag die Botschaft von Ostern verkündet wird: Jesus ist von den Toten erstanden. Jeder Sonntag ist ein „kleiner" Ostertag


Fastenzeit

Von Aschermittwoch bis Ostern: vom Dunkel ins Licht vom Durst zum Wasser von der Wüste zum Garten vom Fasten zum Feiern vom Tod zum Leben Der Mensch ist ein sterbliches Geschöpf. Der Christ erinnert sich am Aschermittwoch daran und lässt sich die Asche auflegen. Er tut das in der Kirche, in der Gemeinschaft der Sünder und derer, die zur Umkehr bereit sind. Das Fasten an diesem Tag - nur eine einfache Mahlzeit - ist Zeichen und Hilfe zugleich. Denn der Mensch bleibt Geschöpf, geborgen in der Hand dessen, der ihn geschaffen hat.

Die Palmzweige des Vorjahres wurden verbrannt; mit dieser Asche wird ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Wir werden sterben, aber mit Christus ist der Tod besiegt.

„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst."

Vierzig Tage dauert die Fastenzeit bis zum Ostersonntag; die Sonntage werden nicht mitgezählt. Vierzig ist die Zahl der Vorbereitung: Vierzig Tage fastete Jesus in der Wüste; vierzig Jahre zog Israel durch die Wüste in das gelobte Land. Die Ölbergandachten an den Donnerstagabenden in der Fastenzeit erinnern an Jesu Wachen und Beten vor seinem Leiden im Ölberg. Eine besondere Gebetsform in der Fastenzeit, auch Passionszeit genannt, ist die Kreuzwegandacht. Betend den Weg gehen, den Jesus gegangen ist, entlang an den Kreuzwegstationen in der Kirche, ist die meditative Annäherung an den Karfreitag. Dabei geht es immer auch um Nähe zu den Menschen, zum Nächsten, zum Notleidenden; das Hilfswerk Misereor (sich erbarmen) vereint die Spenden und Almosen zu einer tatkräftigen Hilfe und macht das Erbarmen und die Gerechtigkeit Gottes sichtbar und wirksam erfahrbar. Das „Hungertuch" lenkt den Blick auf die Leiden der Menschen und das Leiden Jesu, auf die Solidarität Gottes mit den Armen. Darum beauftragt das Hilfswerk Misereor regelmäßig Künstler ausjeweils einem anderen Land mit der Gestaltung des Hungertuches.

Palmsonntag

Juble laut. TochterZlonl... Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin."

(Sacharja 9,9)

Am Sonntag vor Ostern erinnert sich die Kirche an den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Menschen feierten ihn als ihren König und winkten ihm mit Palmzweigen zu. Schon ab dem 5. Jahrhundert werden uns aus Jerusalem Palmprozessionen bezeugt. Im Mittelalter führten die Prozessionen eine rollende Eselsfigur mit, in Erinnerung an das Evangelium. Heute wird der Prozession ein geschmücktes Kreuz voran getragen. Die Gläubigen tragen bunte Buschen und Sträuße mit, die vorher gesegnet wurden, und stellen sie zu Hause in die Vase oder hinter das Kreuz. Der umjubelte König trägt ein paar Tage später die Dornenkrone. Darum wird im Gottesdienst die Leidensgeschichte vorgelesen. Jubel und Trauer, Freude und Leid liegen am Palmsonntag nahe beisammen.

Gründonnerstag

Jesus stand vom Mahl auf, goss Wasser in eine Schüssel und begann den Jüngern die Füße zu waschen: dies Beispiel hat er ihnen gegeben."

(Liturgie vom Gründonnerstag;

Der Tag ist geprägt vom „Letzen Abendmahl" und der Fußwaschung der Jünger durch Jesus. Die Kirche zeigt sich als Gemeinschaft der Versöhnung und der tätigen Nächstenliebe. Wer früher am Aschermittwoch Buße tat - die „Greinenden", d.h. die Weinenden -wurde am Gründonnerstag wieder in die Gottesdienstgemeinschaft aufgenommen und aus seiner Schuld entlassen. Daher der Name „Antlass-Tag". Der „grüene donerstac", seit dem 13. Jahrhundert so genannt, geht vielleicht auf den Brauch zurück, frische grüne Kräuter und junges Gemüse auf den Tisch zu bringen (Kräutersuppe, Spinatkuchen, ...), eine Anspielung auf die Stärkung der Lebenskräfte im anbrechenden Frühjahr. In der Bischofskirche werden Chrisam und Öle für die Taufe, Firmung, Priesterweihe und Krankensalbung geweiht. Die Pfarreien holen die heiligen Öle ab, ein Zeichen der Verbundenheit aller Getauften mit dem Bischof. Vielerorts findet am Abend in der Eucharistiefeier die zeichenhafte Fußwaschung statt: Dienen als Lebenshaltung der Christen. Nach dem Gottesdienst wird jeder Altarschmuck entfernt. Die Glocken läuten bis zum Gloria in der Osternacht nicht mehr und werden durch die hölzernen Klappern und Ratschen ersetzt.

Karfreitag

„Wer leben will wie Gott auf dieser Erde, muss sterben wie ein Weizenkorn, muss sterben, um zu leben."

(Gotteslob Nr. 183)

Karfreitag ist der Leidens- und Todestag Jesu. „Kar" - diese Silbe bedeutet „Trauer" und „Klage". In der neunten Stunde, der Todesstunde Jesu, trifft sich die Gottesdienstgemeinde und erinnert sich: Sie hört in den Lesungen und in der Passion vom Leiden und Sterben und von der Grablegung Jesu.

Sie betet in den Fürbitten für die großen Anliegen der Kirche und der Welt.

Sie verehrt das Kreuz als Zeichen des Heiles: durch eine Verneigung, Kniebeuge, Blumen oder durch sonst eine ortsübliche Weise. Die Feier endet mit einer schlichten Kommunionfeier. Eine Eucharistiefeier findet am Karfreitag und auch am Karsamstag nicht statt.

Karsamstag

Ruhe prägt diesen Tag, die nach dem Karfreitagsgottesdienst eingetreten ist. Man macht sich auf den Weg zu stillem Gebet vor dem Heiligen Grab. Doch behutsam bahnt sich schon die Osterfreude ihren Weg, bedingt durch die Vorbereitungen: Die Eier werden gefärbt; für den Christen Symbol des Lebens und der Auferstehung. Ein Osterlamm wird gebacken und mit der Osterfahne geschmückt; ein schmackhafter Hinweis auf Jesus Christus, das Gotteslamm. In den Oster korb legen wir zu den Eiern und dem Lamm noch Speck und Schinken, Brot und Salz, Meerrettich, Butter und den Osterf laden. Mit dem Korb und der Osterkerze machen wir uns auf den Weg zur Feier der Auferstehung.

Ostersonntag

Halleluja! Christus ist wahrhaft auferstanden!

Das Hochfest der Auferstehung des Herrn wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Der Name des Festes hängt vermutlich mit „Osten" zusammen, dem Ort der Morgenröte. „Am frühen Morgen" heißt es in den Auferstehungsberichten. In anderen Sprachen geht der Name für dieses Fest eher auf „Pascha", „Pessach" oder „Passah" zurück, dem jüdischen Fest. Die Struktur der Liturgie und die begleitenden volkstümlichen Bräuche bringen die Freude über das Leben und die Auferstehung Jesu herrlich zum Klingen. Vor der Kirche versammeln wir uns um das Feuer, an dem die Osterkerze entzündet wird. Wir begrüs-sen in der Kirche Christus, das wahre Licht. An der Osterkerze entzünden wir unsere eigenen Kerzen für die Nachtwache, in der wir bei Schriftlesung und Gebet den Auferstandenen erwarten. Das festliche Gloria und das Läuten der Glocken künden den Höhepunkt an: Das Halleluja, die Verkündigung des Evangeliums von der Auferstehung Jesu, und die Eucharistiefeier, die große Danksagung für unsere Erlösung. Nach Möglichkeit wird ein Kind oder Erwachsener getauft, aber alle erneuern wir unser Taufversprechen und lassen uns mit dem neu geweihten Wasser besprengen und nehmen das Osterwasser auch mit nach Hause. Nach der Segnung der mitgebrachten Speisen versammeln wir uns in der Familie oder mit anderen in einem größeren Kreis zum Osterfrühstück. Das Suchen des Osternestes für die Kinder und die Spiele mit den gefärbten Eiern sind Ausdruck der Osterfreude. Dazu gehört auch der Brauch des „risus paschalis" (Ostergelächter), das mancherorts durch erheiternde Erzählungen im Gottesdienst ausgelöst wird. Mit Schmunzeln darf man auch den „Osterhas" ins Nest setzen. Angeblich schläft er mit offenen Augen, allzeit wachsam; und mit seiner Fruchtbarkeit ist er ein Zeichen der Lebensfreude.

Ostermonntag

„Emmausgang'" heißt der Spaziergang oder die kleine Wanderung am Ostermontag. Der Name kommt vom Evangelium dieses Tages: Die beiden Jünger sind mutlos und gefangen in ihrer Deutung der Ereignisse. Ein „Fremder" öffnet ihnen die Augen, berührt ihre Herzen und zeigt ihnen eine neue Sicht auf das Geschehene. Sie laden den Fremden ein und am Brotbrechen erkennen sie den Auferstandenen (Lk 24.13-35).

Christihimmelfahrt

„Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

(Mt 28.20)

In den ersten Jahrhunderten wurde Christi Himmelfahrt am Pfingsttag, zusammen mit der Geistsendung gefeiert; seit etwa 370 n. Chr. am vierzigsten Tag nach Ostern. An den drei Tagen vor diesem Fest gibt es häufig Bittgänge/Flurumgänge, in denen sich Menschen in ihren eigenen Nöten und für die der anderen Menschen um Hilfe an Gott wenden. Sie danken für die Schöpfung, bitten um eine gute Ernte und um Erfolg in ihrer Arbeit. Die Menschen spüren ihre Abhängigkeit von der Natur und ihr Ausgeliefertsein an die Technik. Das Singen und Beten auf dem Weg stärkt die Hoffnung, in Gott geborgen zu sein und vertraut der Zusage des zum Vater zurückkehrenden Herrn: „Ich bin bei euch alle Tage..!" In den meisten Gegenden, vor allem in den ländlichen Gemeinden, wird vom Fest des Hl. Markus am 25. April bis zum Fest Kreuzerhöhung am 14. September für das Gedeihen der Feldfrüchte gebetet (Wettersegen).

Z: Lasset uns beten.

Alimächtiger Gott, Schöpfer der Weit und Herr des Lebensl Alles steht in deiner Macht. Du bist unser Vater und vmßt, was wir zum Leben brauchen. Gib den Früchten der Erde Wachstum und Gedeihen. Beschütze unsere Felder, unsere Gärten und Fluren, unsere Wälder und Weinberge vor Unwetter, Hagelschlag und Verwüstung, vor verderblichem Regen und schädlicher Dürre. Segne das Werk unserer Hände und unseres Geistes, unsere Arbeit auf Feld und Flur, in Familie und Beruf. Wir vertrauen auf deine Hilfe. Sei uns nahe und steh uns bei. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

Z: Gesegnet sei eure Arbeit, und ihre Frucht bleibe euch erhalten. Die Sorge soll euch nicht quälen. Euer Herz gedenke allezeit der Schätze, welche bleiben zum ewigen Leben.

A: Amen.

Z: Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes, komme über euch, über eure Arbeit und die Früchte der Erde und bleibe bei euch allezeit.

A: Amen.

Pfingsten

„Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu."

(Gotteslob Nr. 253)

Sichtbar durch Feuerzungen, hörbar im Sturm und verstehbar in allen Sprachen kam der Heilige Geist auf die Jünger herab, so lesen wir in der Apostelgeschichte. Dies geschah am fünfzigsten Tag, griechisch „pentecosta", von dem sich das Wort Pfingsten ableitet. Es ist das Gründungsfest der Kirche. Die junge Gemeinde brichtauf, hinaus in alle Welt, um vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu zu erzählen, angetrieben vom Geist Gottes, dem Lebendigmacher. So steht die Farbe Rot an Pfingsten nicht nur für die Feuerzungen, sondern ist auch ein Ausdruck der Liebe, der treibenden Kraft.

WÄHREND DES JAHRES

Neben den geprägten Zeiten des österlichen und des weihnachtlichen Festkreises gibt es den Jahreskreis, der die Zeit von [Pfingstmontag bis Ende November umfasst. In diesem dahin fließenden Jahresrhythmus gibt es besondere Festtage und damit verbundenes Brauchtum, das dem Jahreskreis Formen und Konturen gibt. Dazu gehört zunächst das Fest der Verehrung der Eucharistie (Fronleichnam) mit der damit verbundenen Fronleichnams-Prozession. Mit dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn geht die glaubende Gemeinschaft durch die Straßen und Häuser, um zu zeigen, dass der Herr auch im Alltag segensreich in den Lebensräumen der Menschen wirken will. In manchen Gegenden wird die besondere Verehrung des Herzens Jesu auch im Brauchtum sichtbar (Herz-Jesu-Feuer). Eine herausgehobene Gestaltung bekommt der Jahreskreis durch die Verehrung der Gottesmutter. Der Monat Mai und der Monat Oktober sind Maria gewidmet. In Maiandachten und im Rosenkranz wird das Geheimnis ihrer Person und ihrer Sendung bedacht. Hineingebettet zwischen Mai und Oktober ist das Fest Maria Himmelfahrt. Das Brauchtum verbindet mit diesem Fest vor allem die therapeutische Dimension des Glaubens, ausgedrückt in der Kräutersuche und in der Kräuterweihe. Neben der Verehrung Mariens hat das Brauchtum vielfältige Formen gefunden in der Verehrung Johannes des Täufers (Sommersonnenwende, Johannis-feuer und Brunnen feste) wie auch in der Verehrung des Hl. Martin (Laternenumzug, Martinsspiel. Martinsfeuer). Schließlich hat die Verehrung der Heiligen und das Gedenken an die Verstorbenen zu tief im Glauben verankertem Brauchtum geführt (Gräbersegnung und Gräberumgang).

Marienmonat Mai

Die Verehrung der Gottesmutter ist bereits in den frühen Glaubenszeugnissen der Kirche angelegt: Das Konzil von Ephesus 431 n. Chr. bekennt Maria als Gottesgebärerin. Seitdem wird die „Mutter Gottes" in der Kirche als Fürsprecherin angerufen. Marias gläubiges Vertrauen und ihr Gehorsam auf den Anruf Gottes hin (Lk 1,38) bilden die Grundlage für die brauchtümliche Marienverehrung. Im Laufe der Zeit sind eine große Zahl kirchlicher Marienfeste und marianischer Gedenktage entstanden. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Italien der Brauch, die „Mutter Gottes" im Monat Mai, wenn in der Natur alles Leben erwacht, in Form der Maiandacht zu verehren. Die erste Maiandacht in Deutschland fand 1841 im Kloster der Guten Hirtinnen in München-Haidhausen statt. Diese Frömmigkeitsform verbreitete sich weltweit in der katholischen Kirche. Die Gläubigen schmücken mit Blumen und Kerzen in Kirchen, Kapellen, nicht selten in ihren Häusern Marienbilder oder bauen einen Marienaltar auf. In vielfältiger Weise verehren Menschen die Gottesmutter und zünden vor ihrem Bild vertrauensvoll Kerzen an. Der Oktober wird neben dem Mai als weiterer Marienmonat gefeiert. Wir ehren Maria durch das Rosenkranzgebet. Der Rosenkranz ist eine alte Meditationsform, ein Gebet der Wiederholung. Wer es übt, kommt in Beziehung zum Leben, Leiden und zur Herrlichkeit Jesu Christi. Dabei ist Maria Lehrmeisterin der Christusbegegnung.

Fronleichnam

Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi", Fronleichnam, erinnert an die Einsetzung der Eucharistie und ist geprägt von der dazugehörigen Prozession. Da diese immer in den Frühsommer fällt, ist der Rahmen für ein farbenfrohes und sinnenreiches Fest geschaffen: Blumenteppiche werden ausgelegt, Häuser und Straßen geschmückt, die Erstkommunionkinder tragen nochmals ihre Festtagskleidung und auch die Erwachsenen zeigen sich im festlichen Gewand. In manchen Gegenden wird dies gerade auch durch das Tragen der Tracht hervorgehoben. Die Festbezeichnung Fronleichnam stammt von den mittelhochdeutschen Wörtern „vron" (göttlich), „lieh" (Körper, Leib) „hama" (Hülle) und bedeutet „göttliche Hülle des Leibes", und bezeichnet die leibhafte Gegenwart Jesu Christi. Das Fronleichnamsfest geht zurück auf das 13. Jahrhundert. Die Augustinernonne Juliana von Lüttich soll die Vision dieses Festes empfangen haben. Bereits in den ersten Jahren nach der Erhebung zum allgemeinen kirchlichen Fest hat sich der Brauch entwickelt, den Leib Christi in Gestalt der Hostie in der Monstranz vom Priester durch den Ort zu tragen. Die Gemeinde begleitet singend und betend die Monstranz unter dem „Himmel" und trägt ihre Fahnen, Patronatsstangen und Heiligenstatuen mit. Die Prozession drückt aus, dass Jesus Christus mit uns auf dem Weg ist. An vier geschmückten Altären - gemäß den vier Himmelsrichtungen - wird Station gehalten, das Evangelium verkündet und der Priester segnet die Menschen, die Häuser, das ganze Dorf und die Stadt.

Hl. Benno (16. Juni)

Der Brauch, Städte unter den Schutz eines Heiligen als Stadtpatron zu stellen, ist sehr alt. Für die Stadt München und das Land Bayern ist der Hl. Benno Patron. Er war in der sehr schwierigen Zeit des Investiturstreites Bischof von Meißen. Seine Reliquien kamen 1576 nach München. Auch Stände, Zünfte, Innungen und Handwerke haben ihre Schutzpatrone, wie die Feuerwehr den Hl. Florian.

Hl. Johannes der Täufer (24. Juni)

Die Kirche feiert - wie bei Jesus und seiner Mutter Maria - auch bei Johannes dem Täufer den Geburtstag. Bei allen anderen Heiligen wird der Todestag als Geburtstag für die Ewigkeit gefeiert. Das weist auf die große Bedeutung des Johannes hin. Er steht als Prophet zwischen dem Alten und Neuen Bund und ist der Wegbereiter für den kommenden Erlöser. Schon in vorchristlicher Zeit feierten die Menschen den Mittsommertag als Tag mit der größten Lichtfülle. Zu Ehren der Sonne entzündeten sie Sonnwendfeuer. In christlicher Deutung wurden aus diesen Feuerbräuchen Johannisfeuer. Wohl in Beziehung zur Taufe Jesu durch Johannes haben sich auch Wasserbräuche entwickelt. Deshalb werden in der Zeit um „Johanni" Brunnenfeste gefeiert.

Hl. Christophorus (24. Juli

Christophorus wird als einer der 14 Nothelfer verehrt. Der Legende nach soll er Reisende - wie ein Fährmann an einer Furt - durch einen Fluss getragen haben, so auch das Christuskind. Christophorus, das bedeutet „Christus-Träger". Bereits in alter Zeit wird er von Rittern, Wanderern und Fuhrleuten angerufen und um einen sicheren Weg gebeten. Dabei spielt auch der Volksglaube eine Rolle: Wer auf ein Bild des Hl. Christophorus blickte, starb keinen plötzlichen unvorbereiteten Tod. Heute haben viele Autofahrer eine Christophorus-plakette am Armaturenbrett und erbitten sich mit diesem Symbol göttlichen Schutz im Straßenverkehr. In vielen Pfarreien werden um diesen Namenstag Fahrzeuge gesegnet.



Maria Himmelfahrt (15. August)

Über 100 Kirchen in unserem Erzbistum feiern am 15. August ihr Patrozinium. Zahllose Fresken, Deckengemälde, Altarbilder und Statuen in unseren Kirchen stellen die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. Nach dem Glauben der frühen Kirche wurde Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Dies hebt zum einen die besondere Bedeutung Mariens hervor, aber auch die Herrlichkeit dessen, der über allem steht und alles zusammenführt - Leib und Seele, Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit. Seit dem Ende des 4. Jahrhunderts wurde diese Glaubensaussage in Syrien mit einem eigenen Fest gewürdigt und später mit einer Kräuterweihe verbunden. Die Legenden erzählen von einem wundervollen Kräuter- und Blumenduft am Grab Mariens. Nach christlichem Verständnis soll die Weihe verdeutlichen, dass Gott uns die Heilkräfte der Natur geschenkt hat, damit wir sie zu unserem Wohl einsetzen. Der Festtag Maria Himmelfahrt wird auch Frauentag genannt.

Erntedankfest

Zu allen Zeiten erleben sich die Menschen als abhängig von der Natur und den Gaben der Schöpfung. So kennen die meisten Religionen den Dank für eine erfolgreiche Ernte. Im Christentum wird dieser Dank für „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit", wie es in jeder Eucharistiefeier heißt, seit dem dritten Jahrhundert mit einem Erntedankfest gefeiert. Für die deutsche Kirche haben die Bischöfe 1972 den ersten Sonntag im Oktober dafür festgelegt. Die kirchliche Erntedankfeier ist in den Gottesdienst integriert. Früchte aus Feld und Garten werden kunstvoll vor dem Altar aufgebaut oder in einer Gabenprozession zum Altar gebracht und gesegnet. Erntekronen oder Kränze aus Ähren gebunden schmücken vielerorts den Kirchenraum. In manchen Pfarrgemeinden ist der Erntedank-Gottesdienst auch mit einer Solidaritätsaktion zugunsten der Armen verbunden. Vor allem in ländlichen Gebieten wird auch heute Erntedank mit Festessen und Tanz gefeiert. Zum Erntedank in den Alpenregionen gehört auch der „Almabtrieb". Das Vieh kehrt nach dem Sommer von den Almen in die Ställe zurück. Als Dank für ein unfallfreies Jahr wird die Leitkuh mit Kräutern und Blumenkränzen geschmückt.

Kirchweihfest

In vielen Pfarrgemeinden wird der Weihetag der eigenen Kirche festlich begangen. Daneben gibt es das „allgemeine Kirchweihfest" im Oktober. In einem feierlichen Gottesdienst wird daran erinnert, dass Christus Grund und Ursprung der Kirche ist. Kirchweih war früher das Hauptfest im Bauernjahr und wird bis heute, vor allem im ländlichen Raum, von einem vielfältigen Brauchtum begleitet. Auf vielen Kirchtürmen weht an Kirchweih der „Zachäus", die Kirchweihfahne, die nach dem Evangelium des Tages benannt ist. Diese Fahne war einst der Aufruf zum gebotenen Landfrieden. Solange sie wehte, durfte nach dem bayrischen Landrecht von 1553 keine Fehde ausgetragen werden. Gehaltvolle Speisen wie Gänsebraten oder Schmalzgebackenes gehören ebenso zum Kirchweihfest wie Tanz und Markt und die Kirchweih-Dult.

Allerheiligen und Allerseelen

Der Anfang des Monats November ist durch zwei Erinnerungstage gekennzeichnet: Allerheiligen und Allerseelen. Die Kirche gedenkt am 1. November aller Menschen, die heilig genannt werden. Am Tag nach Allerheiligen, dem Allerseelentag, fühlen wir uns in besonderer Weise den Verstorbenen aus unseren Familien und dem Bekanntenkreis verbunden. Die Gräber werden geschmückt und das österliche Allerseelenlicht wird zum Zeichen unseres Glaubens an die Auferstehung aufgestellt. Es ist ein schöner Brauch, dass sich die Familien - meist am Nachmittag des Allerheiligentages - an den Gräbern ihrer Lieben versammeln, dem „Gräberumgang" beiwohnen und in der Kirche oder in der Familie für die Verstorbenen den Seelenrosenkranz beten.



Hl. Leonhard (6. November)

Der Hl. Leonhard lebte im 6. Jahrhundert in Noblat und war ursprünglich der Schutzpatron der Gefangenen, deren Ketten er lösen soll. Diese Kraft machte ihn zum Beschützer der Pferde, die ihrerseits der Inbegriff kraftvoller Schönheit sind. Seit dem siebzehnten Jahrhundert ist seine Verehrung durch Umritte so groß geworden, dass man ihn den „Bayerischen Herrgott" nennt. Heute finden allein in unserer Erzdiözese Jahr für Jahr etwa 50 Leonhardiritte statt.

Hl. Martin (11. November)

Der Hl. Martin lebte im 4. Jahrhundert und diente zunächst im römischen Heer. Mit 18 Jahren wurde er Christ und später Bischof von Tours. In die Zeit seines Dienstes im römischen Heer fällt wohl auch die bekannte Legende, dass Martin seinen Mantel mit einem Bettler geteilt und im Traum erfahren hat, dass ihm in diesem Bettler Jesus selbst begegnet ist. Der bekannteste Brauch an diesem Fest ist der Martinszug. Kinder und Eltern ziehen mit Laternen durch den Ort und singen Martinslieder. Oft führt diesen Zug ein Reiter auf einem Pferd an. Die Szene der Mantelteilung wird erzählt oder nachgespielt. An manchen Orten werden an die Kinder Martinsgaben verteilt, z.B. eine Lebkuchengans.



Hl. Korbinian (20. November)

Der Hl. Korbinian ist der Patron der Erzdiözese München und Freising. Korbinian, in der Gegend von Ar-pajon bei Paris geboren, lebte zuerst als Einsiedler in seiner Heimat. Auf seiner ersten Romreise wurde er von Papst Gregor II. zum Bischof geweiht und als Missionar ausgesandt. 724 kam er nach Bayern. In Weihenstephan richtete er eine klösterliche Gemeinschaff ein und feierte an der Herzogsburg den Gottesdienst. Um 730 verstarb Bischof Korbinian. Seine Reliquien werden im Dom von Freising aufbewahrt. Jedes Jahr um den 20. November wird in Freising das Korbiniansfest mit Gottesdiensten begangen. Tausende Gläubige aus der ganzen Erzdiözese pilgern, die Jugend oft in nächtlicher Wallfahrt, zum Dom und feiern das Fest des Hl. Korbinian. Nach den Gottesdiensten werden die Tage auf dem Freisinger Domberg mit einem vielfältigen religiösen und kulturellen Rahmenprogramm gestaltet.

Hl. Cäcilia (22. November)

Cäcilia entstammte der Legende nach dem römischen Adelsgeschlecht der Cäcilier und starb, zusammen mit ihrem Verlobten Valerian, den Märtyrertod. Der Zeitpunkt ihres Todes ist ungewiss. Das Fest zu Ehren der Heiligen fällt auf den Weihetag der Kirche St. Cäcilia in Rom. Cäcilia wird seit dem 15. Jahrhundert mit Orgel, Geige oder anderen Musikinstrumenten abgebildet und gilt als die Patronin der Kirchenmusik. In vielen Kirchen werden deshalb Ende November Konzerte aufgeführt und die Gottesdienste mit Chor und Orchester musikalisch besonders gestaltet.



Christkönigsfest

Das Christkönigsfest, das am Sonntag vor dem ersten Advent gefeiert wird, beschließt das Kirchenjahr. Das Fest wurde von Papst Pius XI. im November 1925 eingeführt. Es betont die Königsherrschaft Christi als Mittel gegen Orientierungslosigkeit und Ängste vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Unruhen und gesellschaftlicher Umbrüche. Wir bekennen am Ende des Kirchenjahres: Jesus Christus ist unser Herr. Er ist der Herr der Schöpfung und der Zeit.